„Zuckerindustrie verharmlost Risiken“

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) wirft dem Industrieverband „Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V.“ vor, die negativen Auswirkungen von überhöhtem Zuckerkonsum gezielt zu verharmlosen. In Positionspapieren, die im Zuge der parlamentarischen Veranstaltung „Schöne neue Zuckerwelt 2017?“ veröffentlicht wurden, werde Zucker fälschlicherweise als Naturprodukt bezeichnet. Ignoriert würde zudem, dass der stark gewachsene Zuckerkonsum für den Anstieg von Zivilisationskrankheiten wie Diabetes Typ 2, Adipositas und Krebs mitverantwortlich sei.

„Industriell hergestellten Zucker als Naturprodukt zu bezeichnen, ist eine Farce – schließlich ist er kein Honig“, kritisiert Prof. Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der DDG. Zwar werde Zucker aus dem Saft des Zuckerrohrs oder der Zuckerrübe hergestellt. Durch die industrielle Verarbeitung durchlaufe er jedoch so vielfältige chemische Prozesse, dass nahezu sämtliche natürlichen Stoffe der Pflanze entfernt werden.

Der Industrieverband „Wirtschaftliche Vereinigung Zucker e.V.“ verlangt in seinen Positionspapieren außerdem, die Kalorien und nicht einzelne Zutaten in den Mittelpunkt zu stellen. Entscheidend sei die Energiebilanz und nicht der Fokus auf Zucker. Gallwitz entgegnet: „Zucker trägt nachweislich zur hohen Energiedichte der heutigen industriell hergestellten Lebensmittel bei.“ Das führe dazu, dass die Menschen deutlich mehr essen als sie sollten. „Viele haben ihren Kalorienbedarf bereits gedeckt, bevor sie satt sind.“

Süßes rege darüber hinaus den Appetit an, weshalb Diäten, die Zucker durch Süßstoffe ersetzen, regelmäßig scheitern. „Eine Ernährung mit stark zuckerhaltigen Lebensmitteln ist nicht nur für die Entwicklung von Übergewicht von mehr als der Hälfte der Erwachsenen in Deutschland verantwortlich“, sagt Gallwitz. „Auch die Zahl der Erkrankungen an Typ-2-Diabetes ist dadurch stark angestiegen.“ Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts sind derzeit 7,2 % aller Erwachsenen in Deutschland an Diabetes erkrankt. Aus den genannten Gründen hat die WHO im vergangenen Jahr in der Leitlinie „Sugars intake for adults and children“ gefordert, den Zuckergehalt an der gesamten Kalorienzufuhr auf maximal 10 %, besser noch auf 5 % zu senken.

Quelle: www.ddg.info

Foto: © pgm, Fotolia

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