Warum niesen wir?

Zählen Sie in Sachen Niesen eher zum Brüller-, Seufzer- oder Vermeidertyp? Die plötzliche Entladung bedeutet für Anwesende keinen Ohrenschmaus, doch für den Körper eine Reinigung und Entlastung. Daher niesen im Tierreich alle Lungenatmer, ob Maus, Schildkröte oder Elefant.

Den Reflex nicht unterdrücken

Viele Menschen unterdrücken ihr Niesen aus Scham. Doch dies ist weder erforderlich noch gesund: Durch den aufgestauten Druck werden Keime in Nebenhöhlen und Mittelohr gepresst, die sich in der Folge entzünden können. Über die Eustachische Röhre, die Rachen und Mittelohr verbindet, gelangt zudem eine Druckwelle zum Trommelfell. Auch innere Organe geraten unter Druck, in seltenen Fällen können sich sogar Blutgerinnsel lösen. Lassen Sie daher dem Niesen freien Lauf – egal, was andere darüber denken.

Falls tatsächlich eine heikle Situation das Niesen verbietet, können Sie bereits beim ersten Niesreiz die Zunge gegen den Gaumen drücken, kräftig Schlucken oder tief durchatmen, um ihn zu vertreiben. Müssen Sie trotzdem niesen, tun Sie dies am besten mit halb geöffnetem Mund in ein Tuch.

Warum eigentlich Niesen?

Mit jedem Atemzug gelangen Staub, Sporen, Bakterien und Viren auf die Nasenschleimhaut, wo sie zu Schleim- und Borkenbildung führen. Diese und andere Reize aktivieren den Trigeminusnerv, der ab einer bestimmten Schwelle reflexartiges Niesen auslöst: Nach tiefem Einatmen und kurzem Lufthalten ziehen sich Zwerchfell und Zwischenrippenmuskulatur blitzschnell zusammen und schleudern über einen Luftstoß Speichel, Nasensekret, Verunreinigungen und Keime durch Mund und Nase mit bis zu 160 km/h zwei Meter weit nach außen. Viele Viren machen sich dies zunutze, um sich zu verbreiten. Auch Entzündungen, Allergien, ein Blick ins Sonnenlicht oder sexuelle Erregung können zum Niesen führen.

Ansteckung vermeiden, richtig niesen

Mit der herkömmlichen „Hand vor dem Mund“ landen die ausgestoßenen Keime unweigerlich auf der Hand, die sie dann durch Berührung weiter überträgt. Niesen Sie daher besser von anderen abgewandt in den Ellenbogen. Ist dies nicht möglich (z. B. unter vielen Menschen), halten Sie beide Hände zusammen mit einem Papiertaschentuch vor den Mund, danach Händewaschen.

Was tun bei häufigem Niesreiz?

Meist steckt hinter häufigem Niesreiz eine Allergie. Dann sollten durch einen ärztlichen Allergietest Auslöser abgeklärt und diese gemieden werden (z. B. Pollen, Hausstaub, Tierhaare, Schimmel). Aber auch eine entzündete oder empfindliche Nasenschleimhaut kann ursächlich sein. Hier helfen die Reduzierung von Staub und Schimmel in der Luft, Aufenthalte am Meer oder im Hochgebirge, Befeuchtung der Raumluft im Winter sowie salzhaltige Nasensprays.

„Gesundheit!“ – was steckt dahinter?

Bis heute wird Niesen mit „Gesundheit!“ kommentiert, zuweilen auch humorvoll mit „Wohlsein“ oder in Lateinamerika „Gesundheit“ (1.), „Geld“ (2.), „Liebe“ (3.). Indem der Niesende sich bedankt, gehen beide Seiten wieder zum Tagesgeschäft über. Der Ursprung liegt im Mittelalter, als das Niesen als Frühsymptom der todbringenden Pest galt. Durch Gottes Segen – „Helf (dir) Gott!“/„God bless you“ – erhoffte man sich für den Niesenden und seine Mitmenschen Schonung. Nachdem sich zuletzt das höfliche Ignorieren verbreitete, erleben Niesformeln heute ein Comeback. Denn sie bieten immer eine Gelegenheit, einander Angenehmes zu wünschen, sei es Gesundheit, langes Leben, Liebe oder Gottes Segen.

Genossen oder geniest?

Allerorts wird über die Konjugation des Niesens diskutiert. Daher sei festgehalten: Richtig heißt es: „Ich habe geniest“.

Quelle: www.text-gesundheit.de

Foto: © Evstratenko - stock.adobe

Zurück