Verwechslungen und Schwermetalle: Risiko Wildpilze

Wildpilze wie Steinpilze, Pfifferlinge, Morcheln oder Maronenröhrlinge filtern natürlicherweise Schwermetalle wie Quecksilber aus dem Erdboden. Die Belastung ist daher bei ihnen im Vergleich zu anderen Lebensmitteln hoch, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitteilt.

Bei verschiedenen bundesweit koordinierten Überwachungsprogrammen haben die Lebensmittelüberwachungsämter der Bundesländer gezielt Wildpilze auf ihren Gehalt an Blei, Cadmium, Quecksilber, Aluminium, Arsen und Nickel untersucht. So wurden im Jahr 2013 in allen 164 Proben von frischen und tiefgefrorenen Wildblätter- und Wildröhrenpilzen sowie von Wildpilzkonserven erhöhte Quecksilberkonzentrationen ermittelt. In etwa 60 Prozent der Proben lagen die Gehalte über dem gesetzlich festgelegten Höchstgehalt von 0,01 mg/kg. Die Mittelwerte bei den Untersuchungen lagen zwischen 0,103 mg/kg bei Röhrenpilzen und 2,42 mg/kg bei getrockneten Wildpilzen, während bei anderen Lebensmitteln gewöhnlich Mittelwerte von 0,002 oder 0,003 mg/kg Quecksilber gefunden werden.

Auch radioaktive Belastungen, insbesondere mit Cäsium, treten auch 30 Jahre nach dem ursächlichen Reaktorunfall von Tschernobyl besonders in Süddeutschland noch auf. Das Bundesumweltministerium rät daher, pro Woche nicht mehr als 200–250 g Wildpilze zu essen, Kinder entsprechend ihres Körpergewichts weniger. Gegen den gelegentlichen Verzehr auch größerer Mengen bestünden dagegen keine Bedenken (siehe auch Verbrauchertipps zu Wildpilzen unter http://www.bmub.bund.de/themen/gesundheit-chemikalien/gesundheit-und-umwelt/lebensmittelsicherheit/verbrauchertipps/#c11250).

Allerdings müssen dabei Verwechslungen ausgeschlossen sein, die immer wieder Sammler, zunehmend auch Flüchtlinge, betreffen: Im Jahr 2015 wurden dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) insgesamt 27 Fälle von Pilzvergiftungen gemeldet, zwei davon endeten tödlich. Denn durch die Ähnlichkeit vieler einheimischer Pilze kann es bei oberflächlicher Betrachtung leicht zu Verwechslungen kommen. Der Grüne Knollenblätterpilz, der von Juli bis Oktober vor allem in Laubwäldern und Parks wächst, ist für ca. 80 % aller tödlich verlaufenden Pilzvergiftungen verantwortlich: Für Erwachsene kann bereits ein Frischpilz von ca. 50 g tödlich sein, für Kinder etwa die Hälfte. Es besteht eine hohe Verwechslungsgefahr mit einer Reihe von essbaren Pilzen, so beispielsweise mit Champignons oder Täublingen.

Magenkrämpfe, Übelkeit und Erbrechen können für eine Pilzvergiftung sprechen. Tritt nach einer Pilzmahlzeit Unwohlsein auf, sollte immer ärztlicher Rat eingeholt oder ein Giftinformationszentrum befragt werden, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Auf keinen Fall sollte eine Therapie ohne ärztliche Anweisung erfolgen: Selbst vermeintlich harmlose Maßnahmen wie das Auslösen von Erbrechen können ernsthafte Folgen haben, so zum Beispiel, wenn Erbrochenes in die Lunge gerät. Milch kann die Aufnahme von Gift sogar begünstigen.

Über genießbare, unverträgliche und giftige Pilze informiert die BfR-Broschüre „Risiko Pilze“ unter http://www.bfr.bund.de/cm/350/risiko_pilze.pdf.

Quellen: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Foto: Fotolia, romvo

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