Social Media: jede Menge falscher Gesundheitsinformationen

Immer mehr Menschen informieren sich in sozialen Netzwerken über Gesundheitsthemen. Doch diese Plattformen sind übersät von Falschmeldungen und Ungenauigkeiten, wie Forscher in Sydney herausgefunden haben.

„Eine Untersuchung legt nahe, dass bis zu einem Drittel der Videos bei YouTube über bestimmte Gesundheitsthemen ungenaue oder verzerrte Informationen wiedergeben“, so die Expertin Maryke Steffens, die zurzeit im Rahmen einer großen Studie am Australian Institute of Health Innovation‘s Centre for Health Informatics der Macquarie University über die Verbreitung von klinischen Nachweisen und Fehlinformationen forscht.

„Eine andere Studie, welche sich mit Impfseiten bei Facebook beschäftigt, hat herausgefunden, dass über die Hälfte der Posts nicht mit den offiziellen Richtlinien für die Immunisierung übereinstimmen und damit falsche Informationen wiedergeben.“

Medizinisch-wissenschaftliche Nachweise sollten die Grundlage für individuelle Entscheidungen in gesundheitlichen Fragen sein. In sozialen Netzwerken kursieren jedoch häufig Thesen, die nicht aus der wissenschaftlichen Forschung stammen, sondern z. B. Aufmerksamkeit generieren, ein Geschäft ankurbeln oder ein persönliches Lebensgefühl transportieren sollen. In Gesundheitsfragen kann dies ernste Folgen haben.

Bedauerlicherweise, so Steffens, führe die schiere Menge an Fehlinformationen auf Social Media insgesamt u. a. zu einer Minderung des Vertrauens in Impfstoffe. Dies hätte verheerende Auswirkungen.

Ein Fall noch vor Gründung sozialer Netzwerke zeigt, wie sich Fehlinformationen einprägen: Mittlerweile sind 20 Jahre vergangen, seit die prestigeträchtige medizinische Zeitschrift The Lancet einen Artikel des britischen Arztes Andrew Wakefield veröffentlichte. Darin stellte er fälschlicherweise einen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung (Mumps, Masern, Röteln) und Autismus her. Der Aufsatz wurde zwar später zurückgezogen. Dennoch hat es fast 20 Jahre gebraucht, bevor sich die Impfraten im Vereinigten Königreich wieder erholt haben. Während dieser Zeit erlebten englische Familien mehr als 12.000 Fälle von Masern und Hunderte von Krankenhauseinweisungen – viele davon mit ernsten Komplikationen – und mindestens drei Todesfälle.

Eine Studie von 2017 über Veröffentlichungen zur Krebsforschung belegt: Der Grad der Aufmerksamkeit in den Medien zu den jeweiligen Aufsätzen steht in keinerlei Verhältnis zu deren Qualität, sondern orientiert sich eher an Faktoren wie kostenlosem Zugang, Reizworten oder spannenden Überschriften.

Quelle: https://www.ranke-heinemann.de

Foto: pressmaster - Fotolia

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