Schlaf als Liebesindikator

Dass man mit Liebeskummer schlechter schläft, wissen viele aus eigener Erfahrung. Aber: Wer träumt vom eigenen Partner und wer vom Fremdgehen? Schläft man schlechter mit dem Partner im Bett? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) auf ihrer 24. Jahrestagung vom 1. bis 3. Dezember 2017 in Dresden.

Denn der Schlaf ist entscheidend für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und psychisches Wohlbefinden. Studien belegen auch einen Zusammenhang zwischen Schlaf, Paarverhalten und Partnerzufriedenheit, weiß Schlafforscher Dr. Hans-Günter Weeß. Auch der sogenannte Chronotypus beeinflusst die Qualität der Beziehung. Man unterscheidet zwischen Frühtypen (Lerchen) und Spättypen (Eulen). Paare mit ähnlichem Chronotypus zeigten in Studien bessere Problemlösefähigkeiten bei partnerschaftlichen Konflikten. Wenn Lerchen und Eulen zusammenleben, haben diese hingegen oft weniger Zeit füreinander und auch weniger Sex.

Frauen schlafen im gemeinsamen Bett schlechter, Männer besser

„Grundsätzlich sagt man Frauen einen schlechteren Schlaf nach, wenn ihr Partner mit ihnen zusammen in einem Zimmer schläft. Evolutionsbiologische Theorien erklären dies mit der Sozialisation von Mann und Frau“, erklärt Weeß. „Frauen waren in der Evolution stets für die Gruppe zuständig, auch nachts. So bildet die Frau im gemeinsamen Schlafzimmer mit ihrem Mann eine „Kleingruppe“, schläft quasi an ihrem Arbeitsplatz“. Studien belegen aber auch, dass sich Männer häufiger bewegen, eher schnarchen und so den Schlaf der Frauen weiter beeinträchtigen können. Frauen neigen auch viel eher zu Schlafstörungen als Männer. Im Vergleich zum Mann sind sie die schlechteren Verdränger, können sich also nachts nicht so gut vom Alltag entpflichten. „Dies führt zu einer erhöhten psychophysiologischen Anspannung, welche den Schlaf verhindert“, weiß Weeß, „Männer hingegen erlebten unter evolutionsbiologischen Gesichtspunkten die Gruppe als Hort der Sicherheit. Schließlich war man beim Jagen in der Gruppe erfolgreicher und auch vor Fressfeinden sicherer. Darüber hinaus sind sie im Vergleich zu Frauen die besseren Verdränger. Alles Faktoren, welche den Mann unter Anwesenheit seiner Frau in der Kleingruppenerfahrung im gemeinsamen Schlafzimmer entspannter machen... und Entspannung ist der Königsweg zu erholsamem Schlaf.“

Schlafkiller Liebeskummer

Jetzt ist es amtlich – Liebeskummer raubt einem den Schlaf. Eine Studie von Merle Claasen unter der Leitung von Prof. Dr. Angelika Schlarb, Leiterin der Schlafambulanz und des Schlaflabors der Universität Bielefeld, konnte dies zeigen. Ziel dieser Studie war, den Einfluss von Verliebtheit und Liebeskummer auf Schlafqualität und Träume im Jugendalter zu untersuchen. Schlarbs Fazit: „Verliebtheit und Liebeskummer sind Schlafräuber. Liebeskummer kann in der Tat zum Alptraum werden.“

Erotische Träume als Spiegel der Beziehung

„Sexualität und Schlaf ist für viele Paare ein wichtiges Beziehungsthema“, so Schlarb weiter. Daher untersuchte Jasmin Faber unter ihrer Leitung in einer weiteren Studie, ob Paare vom Partner, von Fremden oder vom Fremdgehen träumen. Von den 670 Teilnehmern der Studie gaben 131 an, von Sex zu träumen. Wesentlich mehr Personen träumten hierbei von Sex mit fremden Personen, deutlich weniger vom eigenen Partner. Teilnehmer, die von Sex mit dem eigenen Partner träumten, schätzten sich als leidenschaftlicher ein und berichteten von einer besseren Partnerschaftsqualität. „Insofern ist es sinnvoll, sich manchmal am nächsten Morgen tatsächlich zu fragen, wovon man in der Nacht geträumt hat. Das kann Auskunft über die Qualität der eigenen Beziehung geben“ so die Schlafforscherin Angelika Schlarb.

Quelle: www.awmf.org

Foto: © W. Heiber Fotostudio, Fotolia

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