Risiko Piercing: Teure Folgen

Piercings erleben seit Jahren einen Hype. Doch handelt es sich um Eingriffe in den Körper, die häufig zu Infektionen und anderen Folgeerkrankungen führen. Dies reicht von überschießender Narbenbildung (Keloiden) und Eiterherden bis hin zu absterbendem Gewebe, Blutungen, Ausrissen und allergischen Reaktionen. Besonders häufig verursacht der Körperschmuck im Mundbereich Komplikationen. „So kann eine nach einem Zungenpiercing geschwollene Zunge die Atemwege blockieren und das Atmen erschweren. Da der Mund jede Menge an Erregern beherbergt, ist in diesem Bereich auch das Infektionsrisiko beim Piercen besonders groß. Es sind sogar Fälle von einer Endokarditis in der Folge eines Piercings in Studien erwähnt. Dabei entzündet sich die Herzinnenhaut (Endokard) und mit ihr auch die Herzklappen“, warnt Dr. Ulrich Fegeler, vom Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Träger eines Zungenpiercings haben laut aktuellen Untersuchungen ein doppelt so hohes Risiko für eine Zahnbeschädigung. Auch das Zahnfleisch wird häufiger verletzt und geht dadurch zurück. Wird ein Schmuckstück versehentlich verschluckt, kann es zu Verletzungen im Magen-Darm-Bereich kommen. Gelangt es versehentlich in die Atemwege, kann es Atemnot oder Infektionen der Lunge auslösen.

In Deutschland sind laut einer Umfrage rund ein Drittel der Frauen zwischen 14 und 34 Jahren und 14,4 % der Männer gepierct – mit steigender Tendenz. Viele davon wissen nicht, was in § 52 SGB V Abs. 2 steht: „Haben sich Versicherte eine Krankheit durch eine medizinisch nicht indizierte ästhetische Operation, eine Tätowierung oder ein Piercing zugezogen, hat die Krankenkasse die Versicherten in angemessener Höhe an den Kosten zu beteiligen und das Krankengeld für die Dauer dieser Behandlung ganz oder teilweise zu versagen oder zurückzufordern.“ Daher sind die Folgen des Piercens für die Betroffenen häufig nicht nur unschön, schmerzhaft und evtl. gefährlich, sondern auch richtig teuer.

Quelle: https://www.kinderaerzte-im-netz.de

Foto: © beccarra - stock.adobe

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