Meilensteine der Zahnmedizin

Wanderheiler wie „Zahnbrecher“ oder „Zahnreißer“ zogen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Zähne. Erst einige Jahrhunderte später im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden Zahnärzte und Zahntechniker als eigenständige Berufsgruppen anerkannt.

Das preußische Medizinalreglement von 1825 legte in Deutschland erstmalig die Anforderungen an den Zahnarztberuf fest. Die übrigen deutschen Staaten folgten. 1869 trat jedoch eine Gewerbeordnung in Kraft, welche die Freigabe der Heilkunde, die sogenannte Kurierfreiheit, verfügte. Diese erlaubte es, das Heilgewerbe ohne medizinische Ausbildung und ohne Approbation auszuüben. Das blieb nicht ohne Folgen: Unter zahnarztähnlichen Titeln wie z. B. „Zahnartisten“, „Specialisten für Zahnleidende“ und „Zahnkünstler“ waren viele Kurpfuscher am Werk. Es bildete sich die Berufsgruppe der Dentisten.

Zahnärzte organisieren sich

Um ihre berufspolitischen Ziele zu verfolgen, organisierte sich die approbierte Zahnärzteschaft: Bereits 1859 entstand der Central-Verein deutscher Zahnärzte, der Vorläufer der heutigen Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). 1891 gründete sich der Vereinsbund deutscher Zahnärzte und 1910 der Wirtschafts-Verband deutscher Zahnärzte. Unter anderem wurden die Errichtung von Ausbildungsstätten, die Übernahme des Studienfachs Zahnheilkunde an die medizinische Fakultät, die Einführung des Titels Dr. med. dent., die Einführung des Abiturs als verbindliche Studienvoraussetzung und die Gewährung des Habilitationsrechts durchgesetzt. Im 20. Jahrhundert erlangte die Zahnmedizin ein vergleichbar hohes wissenschaftliches Niveau wie die Medizin. Das Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkunde hob 1952 in der BRD den Dentistenberuf auf, und bereits zugelassene Dentisten wurden nach Ablegung einer entsprechenden Prüfung in den Zahnärztestand integriert.

Beruf des Zahntechnikers entsteht

Noch eine weitere Berufsgruppe bildete sich Ende des 19. Jahrhunderts heraus: 1880 gründeten die „Verfertiger künstlicher Zähne und Gebisse“ den Verein deutscher Zahnkünstler. Dieser wandelte sich vier Jahre später zur ersten deutschen Innung des Zahntechniker-Standes. Ab 1895 entstanden die ersten zahntechnischen Labore. 1930 wurde das zahntechnische Handwerk durch ein allgemein anerkanntes selbständiges Gewerbe. 1959 genehmigte das Bundeswirtschaftsministerium das vom VDZI erstellte Berufsbild des Zahntechniker-Handwerks.

Von der Ausschaltung des Schmerzes

Beim Zahnarzt muss heutzutage kein Patient mehr heftige Schmerzen aushalten. Moderne Betäubungsmittel machen es möglich. Das war nicht immer so. Über Jahrhunderte versuchte man, den Schmerz mit Alkohol oder narkotisierenden Pflanzenextrakten auszuschalten. Dies gelang jedoch nicht vollständig. Nicht selten musste der vom Zahnschmerz Gepeinigte sogar gefesselt oder festgehalten werden, um die Behandlung zu überstehen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließen fahrende Schausteller Zuschauer Lachgas einatmen. Diese zeigten daraufhin eine euphorische Stimmung und torkelten zur Belustigung der übrigen Zuschauer herum. „Der amerikanische Zahnheilkundler Horace Wells kam bei einer solchen Lachgasparty 1844 auf den Gedanken, Lachgas zu Narkosezwecken einzusetzen“, erläutert Prof. Dr. med. habil. Dr. phil. Werner E. Gerabek vom Institut für Geschichte der Medizin, Universität Würzburg. „Wells ließ sich nach Einatmen von Lachgas schmerzfrei einen Zahn ziehen“, so Gerabek.

Quelle: www.prodente.de

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