Mehr Herzerkrankungen, weniger Sterbefälle

In Deutschland sterben immer weniger Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So ging die Sterberate 2016 gegenüber 2014 um 2,1 % zurück. Dennoch bleiben Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 37,2 % der Todesfälle noch vor bösartigen Neubildungen (25,3 %) in Deutschland die Todesursache Nummer eins und nehmen weiter zu. Auffällig ist dabei die höhere Sterblichkeit bei Frauen (51,9 %). Außerdem müssen jedes Jahr mehr Menschen wegen Erkrankungen des Herzens in Krankenhäusern behandelt werden: 2017 gab es aufgrund von Herzerkrankungen mehr als 1,7 Millionen Krankenhauseinweisungen, rund 40.000 mehr als noch 2015. Rauchen, Übergewicht und Diabetes sind die häufigsten Ursachen. Wie die Deutsche Herzstiftung mitteilt, sind noch heute fast 30 % der Herz-Reha-Herzpatienten Raucher, 18 % stark übergewichtig und 22 % Diabetiker.

Eine starke Zunahme ist vor allem bei den Herzklappenerkrankungen (+ 5,8 %), den Herzrhythmusstörungen (+ 3,0 %) und der Herzinsuffizienz (+ 3,7 %) erkennbar. „Dies sind auch die Erkrankungen, die mit zunehmendem Alter häufiger werden“, kommentiert Prof. Dr. Hugo A. Katus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK). „Die steigende Lebenserwartung, die zu einem ganz überwiegenden Teil auf die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten bei Herzpatienten zurückzuführen ist, führt also auch dazu, dass immer mehr Patienten mit chronischen Herzerkrankungen behandelt werden müssen.“

Dies spiegelt sich gerade in der höheren Zahl von Herzinsuffizienz-Patienten wider, da die Herzschwäche häufig die Folge und das Endstadium vieler anderer Herzerkrankungen ist. Die Herzinsuffizienz geht zudem häufig mit Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder komplexen ventrikulären Rhythmusstörungen einher. Dies ist also ebenso ein Grund für den Anstieg der Krankenhausbehandlungen wegen Rhythmusstörungen. In der gestiegenen Lebenserwartung sieht Katus auch einen Grund für das vermehrte Auftreten von behandlungspflichtigen Herzklappenerkrankungen: „Die Herzklappen werden ein Leben lang belastet, was zu Verkalkungen und Ablagerungen führt. Je länger ein Mensch lebt, desto stärker können sich diese Verkalkungen ausprägen und die Funktion der Klappen so sehr beeinträchtigen, dass nur noch mit einem Herzklappenersatz (chirurgisch oder im Herzkatheterlabor) behandelt werden kann“, erklärt er.

Zugleich gelang es, die Sterberate von Herzinsuffizienz-Patienten um nahezu 11 % zu senken. „Das ist natürlich ein großartiger Erfolg, der nicht ohne Grund erreicht wurde“, erklärt Katus. „Zum einen haben wir deutliche Fortschritte bei den Behandlungsmöglichkeiten sowohl im medikamentösen als auch im interventionellen und technologischen Bereich erreicht. Zum anderen konnten wir in der Ärzteschaft das Bewusstsein dafür verbessern, dass für die Herzinsuffizienz und die damit einhergehenden Rhythmusstörungen bessere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.“ So wurden mehr Patienten bei niedergelassenen Kardiologen und in den Kliniken vorstellig. Die Etablierung spezialisierter Versorgungseinheiten, der sogenannten „Heart Failure Units“, hat ganz wesentlich dazu beigetragen.

Die DGK begrüßt, dass das Auftreten der ischämischen Herzerkrankungen (durch Durchblutungsstörungen am Herz) abgenommen hat (- 2,2 %). „Dies zeigt uns, dass unsere Präventionsstrategien zu greifen beginnen, und das finde ich sehr beeindruckend“, so der DGK-Präsident. „Dies ist das beste Beispiel für den hohen Stellenwert der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Krankheiten.“

Weitere Informationen liefert der Deutsche Herzbericht 2018, kostenfrei im PDF-Format erhältlich unter https://www.herzstiftung.de/herzbericht. Die Herzstiftung bietet unter www.herzstiftung.de außerdem einen kostenfreien Herzinfarkt-Risikotest an.

Quellen: http://www.dgk.org, https://www.herzstiftung.de

Foto: © Fabio Balbi - stock adobe

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