Medikamente einnehmen – aber wie?

Arzneimittel können nur gut wirken, wenn sie richtig eingenommen oder angewendet werden. 2018 wurden rund 190 Millionen Arzneimitteleinheiten verschrieben, die wegen ihrer Darreichungsform schon von sich aus als „besonders beratungsintensiv“ gelten? Wer unsicher ist, sollte sich daher über die richtige Handhabung in der Apotheke beraten lassen. Unbedingt eine besondere Einweisung brauchen zum Beispiel Arzneimittel zum Inhalieren oder solche, die gespritzt werden müssen. Aber auch bei Tabletten & Co. gibt es offene Fragen.

Darf ich Tabletten auch halb liegend einnehmen, wenn ich bettlägerig bin?

Bitte nicht! Tabletten, Dragees oder Kapseln sollten immer aufrecht sitzend eingenommen werden. Wer im Bett liegt, kann am besten seinen Oberkörper um 45 Grad nach vorne neigen. Nur so kommen Medikamente verlässlich im Magen an, können sich dort vollständig lösen, und Schädigungen der Speiseröhre werden vermieden.

Darf ich die Tablette mit Apfelschorle runterspülen?

Lieber nicht. Am besten mit einem vollen Glas (200 ml) Leitungswasser, denn in Mineralwasser – auch im stillen– sind Mineralstoffe wie etwa Calcium enthalten. Dieses kann bestimmte Medikamentenwirkstoffe binden und dadurch die Wirkung mindern. Das trifft vor allem bei der Einnahme von Antibiotika zu. Auch Milch und Fruchtsäfte hemmen manche Wirkstoffe in Medikamenten, zum Beispiel in Schilddrüsenhormonen oder Osteoporosemitteln.

Ausnahme: Bei Eisenprodukten ist die Einnahme mit einen Glas Orangen- oder Apfelsaft sogar erwünscht, da Vitamin C die Aufnahme ins Blut unterstützt.

Tablette geschluckt und hinterher eine Tasse Kaffee. Geht das?

Je mehr Wasser man zur Medikamenteneinnahme trinkt, desto schneller lösen sich die Wirkstoffe und gehen in die Blutbahn über. Allerdings: Bis dies geschieht, dauert es auch im Idealfall mindestens 30 Minuten. Eine Tasse schwarzer Kaffee ist daher eine halbe Stunde nach der Tabletteneinnahme erlaubt. Bei Milch- und Calciumprodukten sowie Alkohol sollte man aber zwei Stunden Abstand halten, um die Wirkung nicht zu hemmen.

Welche Zeiträume muss ich beachten?

Die Zeiträume sind viel weiter gefasst, als die meisten Patienten annehmen:

  • „morgens nüchtern“: eine Stunde vor dem Frühstück
  • „vor dem Essen“: mindestens 30 Minuten vor dem Essen
  • „zwischen dem Essen“: zwischen den Mahlzeiten mit einem Abstand von jeweils 2 Stunden
  • „nach dem Essen“: 2 Stunden nach dem Essen
  • „zweimal täglich“: alle 12 Stunden
  • „dreimal täglich“: alle 8 Stunden.

Ich brauche mein Schmerzgel nur gelegentlich. Wie lange darf ich es aufbewahren?

Geöffnete Cremes, Salben oder Gels sind etwa drei Monate haltbar. Je wärmer es ist, umso kürzer ist die Haltbarkeit. Danach verlieren die enthaltenen Stoffe nach und nach ihre Wirkung. Angerührte Cremes aus der Apotheke oder solche ohne Konservierungsstoffe sind meist noch kürzer haltbar! Sie können nach Ablauf Reizungen oder zu Entzündungen führen.

Dürfen wir uns ein Nasenspray teilen, wenn die ganze Familie Schnupfen hat?

Nein, jedes Nasenspray sollte nur von einer einzigen Person verwendet werden. Denn die Wahrscheinlichkeit ist zu groß, dass sich jeder an einem anderen Virenstamm angesteckt hat und man sich so noch einen weiteren Erreger einfängt. Bitte beachten Sie: Aus dem Grund sollte auch jedes Nasenspray nach dem Schnupfen entsorgt und nicht wiederverwendet werden.

Mal zu schnell und mal zu langsam – wie dosiere ich Tropfen richtig?

Bitte nicht auf das Fläschchen drücken, denn so werden die Tropfen kleiner, und die Dosis stimmt nicht mehr. Es gibt zwei Sorten von Tropfflaschen: Zentraltropfer müssen senkrecht kopfüber gehalten werden, Randtropfer sollten schräg gehalten werden (siehe Beipackzettel). Wenn gar nichts mehr rauskommt, ist Luft im Röhrchen. Dann den Flaschenboden mit einem kräftigen Ruck auf die Tischfläche klopfen.

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