Kinder bereits früh aufklären

Für viele Eltern ist es unangenehm, mit der „Aufklärung“ zu beginnen. Aber ob sie wollen oder nicht, bekommen Kinder früh eine Vorstellung von einer sexuellen Beziehung.

Prof. Veronica I. Johnson von der Universität von Montana und Prof. Guy Ray Backlund von der New Mexico State Universität haben Collegebesucher befragt: Nur sehr wenige wurden von ihren Eltern aufgeklärt. Aber diejenigen, bei denen dies der Fall war, berichteten von einer deutlich positiveren Lernerfahrung.

Kinder sind teilweise bereits im Alter von sechs Monaten Werbung ausgesetzt - selbst Babys erkennen Business-Logos. Die dort verzerrten Darstellungen verursachen unrealistische Vorstellungen von Partnerschaft und Sexualität. Lange vor dem Social-Media-Zeitalter fand eine Studie aus dem Jahr 2000 heraus, dass Jugendliche während der Hauptsendezeiten jede Woche etwa 143-mal sexuelles Verhalten im Fernsehen sehen konnten. Aber nur wenige Clips zeigten sichere und gesunde sexuelle Beziehungen. Entweder sie verherrlichten Sexualität oder stellten sie negativ dar. Medien zeigten den häufigen Wechsel von Partnern, Frauen als Sexobjekte und aggressives Verhalten in intimen Beziehungen als Normalität. Gewalt, Brüche und Missbrauch im realen Leben können die Folge sein. Demgegenüber ist bekannt, dass zuverlässige Informationen über Sex, risikoreiche Verhaltensweisen verringern.

Die Sexualerziehung an Schulen kann Kindern wichtige Informationen liefern, die aber nur einen allgemeinen Konsens wiedergeben. Lebendige, authentische Informationen aus erster Hand können nur aus der Familie kommen. Offene und ehrliche Gespräche helfen Kindern, die widersprüchlichen äußeren Botschaften richtig einzuordnen. So spielen die Eltern die wichtigste Rolle für die sexuelle Entwicklung der Kinder. Während der späten Kindheit gewinnen Gleichaltrige zunehmend an Einfluss. Sie bestimmen die sexuelle Identität besonders dann, wenn Eltern ihr Kind kaum oder zu spät aufgeklärt haben. „Selbst wenn Eltern sich nicht kompetent genug fühlen, um ihr Kind aufzuklären, gibt die elterliche Aufklärung Kindern mehr Sicherheit als jede andere Quelle“, betonen Johnson und Backlund.

Wenn Eltern sich solchen, zunächst möglicherweise schwierigen, Gesprächen stellen, schafft dies Vertrauen und vermittelt ein realistisches Bild von gesunder Partnerschaft und Sexualität. Dabei sollten Sie den Inhalt nicht pädagogisch aufarbeiten, sondern über Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen berichten – und die Vorgänge und Sexualorgane bei ihren richtigen Namen benennen. Auch Bücher, Bilder oder eine Schwangerschaft in Familie oder Bekanntenkreis können dabei helfen.

Dies unterstützt Kinder bei der späteren Entwicklung von gesunden intimen Beziehungen. Bereits ab dem Kleinkindalter interessieren sie sich für Themen der Sexualität. Spätestens mit Beginn des Grundschulalters sollten Kinder dann über Geschlechtsverkehr, Liebe, sexuelle Bedürfnisse und Grenzen Bescheid wissen. So können sie Informationen von Medien und Gleichaltrigen besser einordnen, ebenso wie die Sexualität der Eltern und Geschwister, eigene Grenzen sowie die eigene Pubertät, deren Vorläufer in diesem Alter bereits einsetzen. Je zwangloser und offener in der Familie über Liebe und Sexualität gesprochen wird, desto besser.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de

Foto: Foto: StockAdobe, contrastwerkstatt

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