Immer mehr Unfälle durch Smartphones

Wenn es brummt, blinkt oder piept, folgt reflexartig der Griff zum Smartphone. Zu Hause leidet darunter die Aufmerksamkeit und bei der Arbeit das Ergebnis. Doch im Straßenverkehr wirkt sich die Ablenkung noch schwerwiegender aus. Laut Untersuchungen sterben in Deutschland pro Jahr mindestens 300 Menschen, weil ein Autofahrer auf sein Handy geblickt hat. Damit ist das Smartphone Unfallrisiko Nummer eins – noch vor Alkohol. Vermutlich liegen die tatsächlichen Opferzahlen noch deutlich höher. Denn Unfälle durch Smartphones werden bis heute nicht erfasst. Und in den meisten Fällen schalten Beteiligte nach dem Unfall ihre Smartphones aus bzw. stecken sie in die Tasche, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Eine Prüfung der Verbindungsdaten und zuletzt geöffneten Handyfunktionen würde häufig Aufschluss geben, ist aber in der Regel rechtlich nicht zulässig. Wissenschaftliche Hochrechnungen belegen, dass heute bei 10–30 % der Unfälle das Mobiltelefon beteiligt ist. Das entspricht bis zu 1.000 jährlichen Todesopfern in Deutschland.

Auch Fußgänger sind zunehmend gefährdet und gefährden andere: Ärzte der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) haben dazu eine Fall-Serie Smartphone-bezogener Unfälle bei Kindern und Jugendlichen veröffentlicht. „Sie stoßen mit anderen Fußgängern oder Radfahrern zusammen oder laufen, ohne den Blick zu heben, über die Straße“, erklärt Prof. Martin Lacher, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am UKL.

Ein mit 30 km/h fahrendes Auto erfasste eine 12-Jährige, die mit Blick auf ihr Gerät die Straße überquerte – Diagnose Beckenringfraktur. Eine 16-Jährige fiel durch ein Glasdach, als sie gerade ein Foto von sich selbst machte. Sie erlitt ein schweres Wirbelsäulentrauma und Schnitte an der Hand. Einem weiteren Mädchen, ebenfalls 16, rollte ein Auto über die Hand, als sie ihr Smartphone von der Straße aufheben wollte. Nur bei zwei der zehn Fälle stand ein Junge im Zentrum des Geschehens.

„Im US-Bundesstaat Hawaii ist es illegal, eine Straße zu überqueren, während man auf das Smartphone schaut. Wäre das auch für unser Land gut?“, fragt Lacher.

Quellen: www.fkm-verlag.de, www.uniklinikum-leipzig.de, https://idw-online.de/de/news714314

Foto: © Drobot Dean, Stock Adobe

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