Asperger oder nur zerstreut?

Einstein, Darwin, Mozart, Gaudi und Beethoven verbindet nicht nur ein genialer Geist: Sie waren nach heutigem Wissensstand auch Asperger-Autisten. Im Vordergrund stehen dabei v. a. eine ausgeprägte Kommunikations- und Kontaktstörung und stereotype (gleichförmige) Verhaltensweisen und Interessen – allerdings bei normaler oder sogar überdurchschnittlicher Intelligenz. Man schätzt die Häufigkeit auf etwa 0,2 % der Gesamtbevölkerung.

Doch wann handelt es sich um Verhaltensvarianten und wann um Asperger-Autismus? Hierbei gibt die Ausprägung der Symptome und die Beeinträchtigung des Alltags wichtige Hinweise: Asperger-Autisten gelingt es kaum, zwischen den Zeilen zu lesen, die tiefere Bedeutung gesprochener Worte zu verstehen oder Tonfall, Mimik, Blicke und Gestik ihres Gegenübers zu interpretieren. Hierdurch wirkt ihr Verhalten oft introvertiert, rücksichts- oder distanzlos. Freundschaften zu knüpfen, fällt Betroffenen ebenso schwer wie tragfähige Beziehungen zu führen oder Witze auf Anhieb zu verstehen. Sie sprechen eher schulmeisterhaft und arm an Mimik und Blickkontakt, aber sehr wortgewandt und entwickeln oft sehr spezielle Interessen und Verhaltensweisen, mit denen sie sich intensiv und ausdauernd befassen.

Hinter der scheinbaren Unnahbarkeit verbirgt sich meist eine hohe Sensitivität. Autistische Verhaltensweisen dienen vor diesem Hintergrund als Schutzstrategien: Asperger-Menschen nehmen die Welt nur zu einem Teil wahr, diesen aber äußerst genau. Daher benötigen sie überdurchschnittlich viel Ordnung, Struktur, Ruhe und Planbarkeit und geraten bei Störungen ihrer Routine aus der Spur. Viele Betroffene leiden unter Einsamkeit, Stress, Depression, Suchtverhalten oder Rückzug.

Symptome werden meist im Kita- oder Grundschulalter auffällig („kleiner Professor“). Die Digitalisierung bedeutet dabei Segen und Fluch: Sie bietet Betroffenen eine nahezu auf den Leib geschneiderte Aktions- und Kommunikationsform. Zum anderen stellt sie den gefährlichsten Suchtfaktor und Lebensvermeider dar.

Asperger-Autisten sind unter Umständen die geborenen Techniker, Mathematiker, Musiker und Spezialisten, während ihnen Smalltalk und gesellschaftliche Etiketten fremd sind. Nach heutigem Wissensstand ist das Asperger-Syndrom vorwiegend genetisch bedingt: Kinder von Betroffenen (80 % männlich) tragen selbst ein deutlich erhöhtes Risiko. Man geht von neurologischen Veränderungen wie einer Störung der sogenannten Spiegelneuronen aus.

Quelle: www.text-gesundheit.de

Foto: © Jne Valokuvaus - stock.adobe

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